Die Kulturlandschaft Orkhon-Tal

Die Mongolei unterzeichnete die Welterbekonvention der UNESCO im Februar 1992 und war bis vor kurzem nur mit einer eigenen Stätte auf der Welterbeliste vertreten. Einer der mongolischen Vorschläge, für die mit Hilfe des Welterbezentrums auch bereits ein Welterbeantrag - jedoch noch kein Managementplan - erarbeitet worden war, ist die 'Kulturlandschaft Orkhon-Tal'. Sie befindet sich in der Landesmitte, etwa 360 km südlich von der heutigen Hauptstadt Ulan Bator.

Schildkrötenmonument bei den Ruinen von Karakorum Archäologische Funde belegen, dass das Orkhon-Tal während der letzten 100.000 Jahre kontinuierlich bewohnt war. Es gilt als die Wiege der zentralasiatischen Nomadenzivilisationen. Verschiedene Völker des Altertums, darunter die Hunnen und die Uighur siedelten hier seit dem 3. Jahrhundert vor Christus.

Das Orkhon-Tal beherbergt auch zahlreiche archäologische, historische und kulturelle Stätten, die den Ursprung und die Entwicklung des zentralasiatischen und insbesondere des mongolischen Städtebaus dokumentieren. Es entstanden großangelegte urbane Zentren, die als militärische, kommerzielle und administrative Stützpunkte des jeweiligen Reiches dienten. Der wichtigste unter ihnen war Karakorum, die 1220 unter Dschingis Khan erbaute Hauptstadt und Mittelpunkt des riesigen Mongolenreiches im 13. und 14. Jahrhundert. Von Karakorum aus wurde in dieser Zeit das gesamte Reich regiert und der Seidenstraßen-Handel zwischen Europa und Asien kontrolliert.

Restaurierte Stupas in Erdene Zuu Karakorum war jedoch nicht das erste urbane Zentrum im Orkhon-Tal. Bereits im 9. Jahrhundert spielte die stark befestigte Stadt Khar Balgas, Hauptstadt des Uighur Reiches, eine zentrale Rolle. Heute sind ihre außergewöhnlich gut erhaltenen Ruinen Zeugen der außerordentlichen städtebaulichen Errungenschaften im vormongolischen Zentralasien.

Neben den Ruinen von Khar Balgas und Karakorum sowie den Gedenkstätten berühmter türkischer, uighurischer und mongolischer Herrscher befinden sich auch das Kloster Erdene Zuu und die dazugehörige Einsiedelei Tuvkhun im Orkhon-Tal.
Erdene Zuu war das erste buddhistische Kloster in der Mongolei, gegründet 1586 auf den Ruinen von Karakorum. In Erdene Zuu lassen sich alle Charakteristika öffentlicher Gebäude der Mongolenzeit nachweisen, die wiederum die religiöse Architektur von der Donau bis zum Gelben Fluss beeinflusst haben.

Restaurierter Tempel in der Einsiedelei Tuvkun Der Schutz und Erhalt der Schätze des Orkhon-Tals ist wie bei den meisten Kulturlandschaften mit Schwierigkeiten verbunden. Um etwa Probleme wie Verwitterung und Verfall, Vandalismus und Plünderung aber auch den aufkommenden Tourismus in den Griff zu bekommen, ist die Erarbeitung eines Managementplans unter Beteiligung aller Betroffenen vor Ort eine notwendige Voraussetzung. In diesem auf einen Zeitraum von etwa 10 Jahren angelegten Schutz- und Entwicklungsplan, der für die zuständigen Behörden bindend ist, werden die tatsächlichen und möglichen Gefahren für die Stätte sowie Strategien und konkrete Maßnahmen ihnen zu begegnen, aufgezeigt.

Die Welterbestiftung hat die Mongolei bei der Erarbeitung des Managementplans finanziell sowie durch die Vermittlung eines Experten unterstützt. Der Managementplan bis inzwischen fertig gestellt und die fehlende Voraussetzung für die Welterbe-Antragstellung somit erfüllt. Im Juli 2004 beschloss das Welterbe-Komitee die Kulturlandschaft 'Orkhon-Tal' in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen, wobei die Qualität des Manangementplans ausdrücklich gelobt wurde.

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