
Archäologische Funde belegen, dass das Orkhon-Tal während
der letzten 100.000 Jahre kontinuierlich bewohnt war. Es
gilt als die Wiege der zentralasiatischen Nomadenzivilisationen.
Verschiedene Völker des Altertums, darunter die Hunnen und
die Uighur siedelten hier seit dem 3. Jahrhundert vor Christus.
Das Orkhon-Tal beherbergt auch zahlreiche archäologische, historische und kulturelle Stätten, die den Ursprung und die Entwicklung des zentralasiatischen und insbesondere des mongolischen Städtebaus dokumentieren. Es entstanden großangelegte urbane Zentren, die als militärische, kommerzielle und administrative Stützpunkte des jeweiligen Reiches dienten. Der wichtigste unter ihnen war Karakorum, die 1220 unter Dschingis Khan erbaute Hauptstadt und Mittelpunkt des riesigen Mongolenreiches im 13. und 14. Jahrhundert. Von Karakorum aus wurde in dieser Zeit das gesamte Reich regiert und der Seidenstraßen-Handel zwischen Europa und Asien kontrolliert.
Karakorum war jedoch nicht das erste urbane Zentrum im Orkhon-Tal.
Bereits im 9. Jahrhundert spielte die stark befestigte Stadt
Khar Balgas, Hauptstadt des Uighur Reiches, eine zentrale
Rolle. Heute sind ihre außergewöhnlich gut erhaltenen
Ruinen Zeugen der außerordentlichen städtebaulichen
Errungenschaften im vormongolischen Zentralasien.
Neben den Ruinen von Khar Balgas und Karakorum sowie den
Gedenkstätten berühmter türkischer, uighurischer
und mongolischer Herrscher befinden sich auch das Kloster
Erdene Zuu und die dazugehörige Einsiedelei Tuvkhun
im Orkhon-Tal.
Erdene Zuu war das erste buddhistische Kloster in der Mongolei,
gegründet 1586 auf den Ruinen von Karakorum. In Erdene
Zuu lassen sich alle Charakteristika öffentlicher Gebäude
der Mongolenzeit nachweisen, die wiederum die religiöse
Architektur von der Donau bis zum Gelben Fluss beeinflusst
haben.
Der Schutz und Erhalt der Schätze des Orkhon-Tals ist
wie bei den meisten Kulturlandschaften mit Schwierigkeiten
verbunden. Um etwa Probleme wie Verwitterung und Verfall,
Vandalismus und Plünderung aber auch den aufkommenden
Tourismus in den Griff zu bekommen, ist die Erarbeitung
eines Managementplans unter Beteiligung aller Betroffenen
vor Ort eine notwendige Voraussetzung. In diesem auf einen
Zeitraum von etwa 10 Jahren angelegten Schutz- und Entwicklungsplan,
der für die zuständigen Behörden bindend
ist, werden die tatsächlichen und möglichen Gefahren
für die Stätte sowie Strategien und konkrete Maßnahmen
ihnen zu begegnen, aufgezeigt.
Die Welterbestiftung hat die Mongolei bei der Erarbeitung des Managementplans finanziell sowie durch die Vermittlung eines Experten unterstützt. Der Managementplan bis inzwischen fertig gestellt und die fehlende Voraussetzung für die Welterbe-Antragstellung somit erfüllt. Im Juli 2004 beschloss das Welterbe-Komitee die Kulturlandschaft 'Orkhon-Tal' in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen, wobei die Qualität des Manangementplans ausdrücklich gelobt wurde.