Holzkirchen in der Ukraine

St. Michael - 3-tlg. Blockbaukirche neugalizischen Typs Die Holzkirchen in den Karpaten haben eine über tausend Jahre alte Bautradition, die bis in unsere Zeit reicht. Allein auf dem Gebiet der Ukraine befinden sich über 1800 Objekte, die in ihrer Vielfalt und ihrer Typologie die Geschichte dort lebender unterschiedlicher ethnischer Gruppen widerspiegeln.

Wer einmal in den Karpaten war, weiß, was die Holzkirchen für das Landschaftsbild dieses Waldgebirges bedeuten, das sich im Südosten Europas in weitem Bogen durch sechs Länder zieht: Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und die Ukraine. Das unverwechselbare Bild dieser volkstümlichen Bauten mit ihren gestaffelten Turmgruppen, kleinteiligen Schindeldächern und schützend die Wände umschließenden Umgängen prägt sich ein. Bei aller Vielfalt, die das Ergebnis unterschiedlicher regionaler Traditionen und liturgischer Erfordernisse ist, haben sie doch eines miteinander gemeinsam: den Baustoff Holz und die sich aus ihm ergebenden baulichen Möglichkeiten und Grenzen.

Bockbaukirche von 1772, Bukowina-Typ Anders als etwa bei den norwegischen Stabholzkirchen, bei denen alle tragenden Teile der Konstruktion senkrecht stehen, werden bei den Kirchen der Karpaten die Balken in der Regel in Blockbauweise, also waagrecht, übereinander gelegt. Daraus ergeben sich Grenzen für die Raumgrößen, die dadurch überwunden werden, dass man mehrere Räume miteinander verbindet und ihnen unterschiedliche liturgische Bestimmungen zuordnet. Im Außenbau ergibt diese Raumfolge das malerische Bild eines Gruppenbaus, dessen Teile je nach der Tradition, in der der Bau steht, unterschiedlich geformt und akzentuiert sind.

Dreiteilige Blockbaukirche galizischen Typs, erbaut 1670 Seit dem 19. Jh. ist der Holzbau auch in Osteuropa gegenüber dem Steinbau in die Defensive geraten. Immer mehr dieser charakteristischen kleinen Kirchen werden aufgegeben, dem Verfall überlassen oder gar abgerissen. Wirtschaftliche Not lässt dem Staat meist nur wenig Spielraum, sie als Baudenkmäler unabhängig von ihrer Nutzung zu sichern und zu erhalten. Kirchen, in denen noch Gottesdienst stattfindet, leiden nicht selten unter den Folgen gut gemeinter, aber fachlich nicht korrekter Modernisierung.

Fünfteilige Kirche des Huzulen-Typs (1766) Eine Empfehlung von ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege und fachliches Beratungsorgan des Welterbekomitees für Kulturerbe) aufgreifend, hat sich die Deutsche Stiftung Welterbe mit Experten der Polytechnischen Universität Lemberg darauf geeinigt, sechs im ukrainischen Teil der Karpaten gelegene Kirchen aufzumessen und wissenschaftlich zu erforschen. Ihre Eintragung in die ukrainische Tentativliste der Kultur- und Naturgüter, die der UNESCO zur Aufnahme in die Welterbeliste vorgeschlagen werden sollen, ist bereits erfolgt.

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