
Lemberg (L'viv), heute das Zentrum der Westukraine, war bis
1918 die Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Galizien
mit einer Bevölkerung, in der sich eine knappe Mehrheit von
Polen mit Ukrainern, Armeniern, Deutschen und einer starken
jüdischen Minderheit vermischte. Jede dieser Volksgruppen
besaß ihr eigenes Stadtviertel und ihre eigenen Kirchen, in
denen Gottesdienst nach römisch-katholischem, griechisch-katholischem,
armenischem oder orthodoxem Ritus gehalten wurde. Entsprechend
reich und vielgestaltig war -und ist bis heute- das Stadtbild.
1998 wurde Lemberg von der UNESCO in die Liste des Welterbes
aufgenommen. Der Welterbebereich umfasst den Burgberg mit
den Resten der um 1240 von Fürst Danilo gegründeten Burg,
die im 13. Jahrhundert zu Füßen des Burgbergs angelegte
Talsiedlung mit einigen kleineren Kirchen und die westlich
anschließende Neustadt, die der Polenkönig Kasimir 1356
gründete und mit dem Magdeburger Recht beschenkte. Der streng
regelmäßige Grundriss der Neustadt mit einem zentralen Marktplatz,
rechtwinklig sich schneidenden Straßen und einem annähernd
quadratischen Mauerring (heute Grünzone) hat sich unverändert
erhalten. Unter den Baudenkmälern sind die armenische Kathedrale,
die lateinische Kathedrale (beide im Kern mittelalterlich),
die Orthodoxe Kirche der Aufnahme Marias in den Himmel mit
dem Korniak-Turm (Renaissance), die Kirche des ehemaligen
Bernardinerklosters (barock) und das Rathaus (klassizistisch)
hervorzuheben. Daneben haben sich eine Vielzahl von Bürgerhäusern
mit oft spätmittelalterlichem Kern, Innenhöfen und reichen
Fassaden (herausragend: das Bandinelli-Palais am Markt)
erhalten.
Abseits der Altstadt liegt auf einem Hügel die Georgskirche
(barock), das geistliche Zentrum der mit Rom unierten griechisch-katholischen
Kirche (der heute die Mehrzahl der Lemberger angehören)
mit der Residenz des Metropoliten; sie wurde als Exklave
dem Welterbebereich angegliedert. Die weiträumigen Stadterweiterungen
des 19. Jahrhunderts mit ihren Boulevards und Parks, Straßenzügen
im Stil der Wiener Ringstraße und anspruchsvollen Jugendstilbauten
sind jedoch nicht Teil der Welterbe-Kernzone, sondern der
sog. Welterbe-Pufferzone. ICOMOS (der Internationale Rat
für Denkmalschutz) schlug vor, zumindest einen Teil
dieser jüngeren Stadtteile dem Kernbereich einzugliedern
und damit strengerem Schutz zu unterstellen, der angesichts
der um sich greifenden Bodenspekulation notwendig erscheint.
Im Auftrag der Welterbestiftung ist Herr Dr. Caspary, ehemaliger
Delegierter Deutschlands im Welterbekomitee der UNESCO,
seit Anfang 2002 im Gespräch mit den zuständigen
Behörden in Lemberg. Als Ergebnis des ersten Besuches
wurde vereinbart, ein Notsicherungsprogramm für die
Bürgerhäuser der Altstadt ins Leben zu rufen.
Durch einen zwischenzeitlichen politischen Wechsel an der
Spitze von Lemberg müssen jedoch viele Gespräche
erneut geführt werden. Dieser Prozess ist im Gange
und es bleibt zu hoffen, dass die historischen Bürgerhäuser
Lembergs nicht dem Verfall preisgegeben, sondern gerettet
werden können.